High Level Panel 1: EU Kommission

Besserer Umgang mit der Erde:
Wie können wir Böden nachhaltiger nutzen?

EU Kommissar für Landwirtschaft

Zeit: Dienstag, 25. Januar 2022, 11:00 – 12:30 Uhr

Hintergrund
Das virtuelle High Level Panel wird auf Einladung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft von der Europäischen Kommission organisiert. Die Schlussfolgerungen und Empfehlungen des Podiumsgesprächs werden an das Thema anknüpfen, das im Zentrum die Berliner Agrarministerkonferenz und des GFFA-Kommuniqués 2022 steht: Landnutzung und Bodenbewirtschaftung.

Ziel der Konferenz ist es, die wichtigsten politischen Akteure in eine Debatte zu diesem Schlüsselthema einzubinden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden darüber diskutieren, wie wichtig der Erhalt und eine verantwortungsvolle Bewirtschaftung der Flächenressourcen im Kontext von Landwirtschaft und ländlicher Entwicklung sind. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels von Bedeutung, der im Zusammenhang mit der steigenden Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen zur Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung bestehende Bewirtschaftungsverfahren voraussichtlich erheblich unter Druck setzen wird. Die Standards der Flächennutzung auf der ganzen Welt müssen verbessert werden, um zu verhindern, dass die Verarmung der Böden zu einer zusätzlichen Bedrohung für die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen in der ganzen Welt wird. Bessere Landnutzung wird außerdem dazu beitragen, die langfristige Widerstandsfähigkeit der Produktionsketten der Agrar- und Ernährungswirtschaft gegen durch Pandemien oder Naturkatastrophen ausgelöste systemische Schocks zu kräftigen.

 

Schwerpunktthemen
Landwirtschaftliche Produktionssysteme sind stark abhängig vom Boden und seinen unterschiedlichen Ökosystemleistungen für den Anbau von Lebensmitteln. Sie sind tatsächlich so eng miteinander verknüpft, dass Landwirtschaft – wie im Deutschen – in vielen Sprachen wortwörtlich als „Bewirtschaftung des Bodens oder von Land“ ausgedrückt wird. Dennoch werden Bodengesundheit und die nachhaltige Bewirtschaftung von Land als natürlicher Ressource in der Debatte um Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik und Wertschöpfungsketten nicht ausreichend berücksichtigt.

Während sich das globale Lebensmittelsystem vom Schock der COVID-19-Pandemie erholt, findet es sich im Spannungsfeld gegensätzlicher Anforderungen wieder: einerseits reichhaltigere und nahrhaftere Lebensmittel für alle zu produzieren und andererseits fruchtbare Böden als natürliche Ressource für künftige Generationen besser zu schützen und zu erhalten. Es handelt sich daher nicht nur um einen Balanceakt zwischen Qualität und Quantität, sondern auch zwischen kurzfristigen Erfordernissen und Nachhaltigkeit auf lange Sicht.

Derzeit besteht keine Aussicht, dass die Welt das Nachhaltigkeitsentwicklungsziel 2 der Agenda 2030 der Vereinten Nationen – die Beseitigung von Hunger und Mangelernährung auf der Welt bis 2030 – erreicht. Es handelt sich hierbei um eine Herausforderung, die von vielen Engpässen beeinflusst wird: von der Logistik bis hin zu Lebensmittelverlusten und -abfällen. Doch auch die Bewirtschaftung und die nachhaltige Nutzung landwirtschaftlicher Flächen spielen eine Schlüsselrolle für die regionale Ernährungssicherheit, insbesondere wenn die Auswirkungen des Klimawandels zum Tragen kommen.

Bei Ernährung geht es jedoch um mehr als nur Kalorien. Um mehr nahrhafte Lebensmittel für alle zu erzeugen, muss der landwirtschaftliche Sektor auf innovative Technologien zugreifen und diese einsetzen können, um die Produktivität aufrechtzuerhalten und gleichzeitig für eine bessere Flächenbewirtschaftung und gesundere Böden zu sorgen. Dies kann mit der Wiedereinführung traditioneller Kulturen und Bewirtschaftungsweisen einhergehen, die widerstandsfähiger und besser an Gegebenheiten vor Ort angepasst sind, sowie mit innovativen Lösungen und bewährten Verfahren, die entlang der globalen Wertschöpfungskette der Agrar- und Ernährungswirtschaft gemeinsam genutzt werden.

Vor diesem Hintergrund werden sich die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer mit folgenden Fragen befassen:

  • Wie können wir eine nachhaltigere Flächennutzung mit der steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln auf der Welt in Einklang bringen?
  • Wie kann Lebensmittelpolitik einen Beitrag zu gesünderen Böden leisten?
  • Wie können Forschung und Innovationen beim Übergang zu nachhaltigerer Landnutzung und Bodenbewirtschaftung helfen?

Videobotschaft

Moderator

Podiumsgäste

Dr. Johan Swinnen ist Generaldirektor des International Food Policy Research Institute (IFPRI) und globaler Direktor der Systems Transformation Science Group bei CGIAR. Dr. Swinnen hat zahlreiche Publikationen über Agrar- und Ernährungspolitik, internationale Entwicklung, politische Ökonomie, institutionelle Reformen, Handel und globale Wertschöpfungsketten veröffentlicht.  Er hat Führungsrollen in verschiedenen Taskforces inne, darunter die Food Systems Economics Commission und die Think20 Task Force on Climate Change, Sustainable Energy, and Environment.

Bevor er zu IFPRI und CGIAR kam, war Dr. Swinnen Professor und Direktor des LICOS Centre for Institutions and Economic Performance an der KU Leuven, leitender Wirtschaftswissenschaftler bei der Weltbank, Wirtschaftsberater für viele internationale Institutionen und Gastprofessor an mehreren Universitäten, darunter das Centre for Food Security and the Environment der Stanford University.

Dr. Swinnen promovierte an der Cornell University und erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Göttingen und der Slowakischen Universität für Landwirtschaft. Er ist Fellow der Agricultural & Applied Economics Association und der European Association of Agricultural Economists und war Präsident der International Association of Agricultural Economists.

Mitglied der Europäischen Kommission seit 1. Dezember 2019, zuständig für Landwirtschaft. Jurist; Rechtsanwalt.

Kommissar Wojciechowski wuchs auf einem Bauernhof in Rawa Mazowiecka auf, einer ländlichen Gemeinde in der Region Łódzkie in Zentralpolen. Er verfügt über einen Master-Abschluss in Rechtswissenschaften, den er an der Fakultät für Recht und Verwaltung der Universität Łódź erworben hat. Seine berufliche Laufbahn als Richter erstreckte sich über verschiedene Ebenen bis hin zur Mitgliedschaft am Obersten Gerichtshof Polens. Von 1995 bis 2001 bekleidete er das wichtige Amt des Präsidenten des Obersten Rechnungshofs Polens.

Von 2001 bis 2004 vertrat er den Wahlkreis Łódzkie als Abgeordneter und stellvertretender Marschall des Parlaments der Republik Polen – des Sejm. Von Juni 2004 bis Mai 2016 war er für drei Wahlperioden Mitglied des Europäischen Parlaments. Von seiner ersten Amtszeit an war er Mitglied der interfraktionellen Arbeitsgruppe des Europäischen Parlaments für das Wohlergehen und die Erhaltung von Tieren und von 2014 bis 2016 war er Vorsitzender der interfraktionellen Arbeitsgruppe.

Von Mai 2016 bis November 2019 war er Mitglied des Europäischen Rechnungshofs.

Kommissar Wojciechowski ist Autor und Mitautor von fünf Kommentaren zum polnischen Strafgesetzbuch sowie Autor von über 100 Artikeln und Veröffentlichungen zum Strafrecht in verschiedenen polnischen Rechtszeitschriften. Er schreibt auch über sozialrechtliche Themen.

Elizabeth Nsimadala ist eine ugandische Jungagrarierin und Kleinbäuerin. Sie ist Präsidentin der Eastern African Farmers Federation (EAFF) und derzeit die für Frauen zuständige Direktorin und ehemalige Präsidentin der Pan Africa Farmers Organization (PAFO). Sie ist Mitglied des Beratenden Ausschusses der Vereinten Nationen für den Food Systems Summit 2021 des Generalsekretärs, Mitglied der Task Force für die Zusammenarbeit zwischen der AU und der EU in der Landwirtschaft, Mitglied des globalen Lenkungsausschusses für die Forest Farm Facility (FFF) der FAO, Mitglied des Lenkungsausschusses für das Global Farmers Forum des IFAD, ist Mitglied des Ausschusses für die Zivilgesellschaft der Afrikanischen Entwicklungsbank und des Vorstands des Forums für landwirtschaftliche Forschung in Afrika (FARA), Mitglied des Verwaltungsrats des Africa Fertilizer Financing Mechanism (AFFM), Mitglied des Lenkungsausschusses der Pan Africa Agribusiness Chamber (PAAAC), Vorstandsmitglied von ACTESA/COMESA und beratendes Mitglied der National Alliance of Agricultural Cooperatives in Uganda (NAAC). Darüber hinaus ist sie Mitglied einer Reihe von nationalen und lokalen Bauern- und Genossenschaftsplattformen.

Elizabeth hat einen MSc. in Projektplanung und -management von der Ndejje University Uganda und einen B.A. in Sozialwissenschaften von der Makerere University Kampala – Uganda. Sie verfügt über zusätzliche berufliche und fachliche Erfahrung in den Bereichen Agrarverarbeitung, Genossenschaftsentwicklung und Agrarlogistikmanagement in Israel und China sowie im Verwaltungsrecht, unter anderem am Law Development Centre Kampala (LDC). Sie ist eine leidenschaftliche Kooperatorin und Landwirtin, die sich an vorderster Front für die Digitalisierung des Agrarsektors einsetzt, und zwar durch die EAFF-eigene mobile Initiative E-Granary, die Landwirte virtuell für Input-, Dienstleistungs- und Produktionsmärkte zusammenführt. Aufgrund ihrer Bemühungen und ihrer Unterstützung für Bauernorganisationen hat sie eine Reihe lokaler und globaler Auszeichnungen erhalten. Erst kürzlich wurde sie von der Weltbauernorganisation als eine der Frauen ausgezeichnet, die zur nachhaltigen Entwicklung beitragen, und von den United States of America Farmers and Ranchers in Action dafür geehrt, dass sie Landwirte weltweit zum Handeln inspiriert und für die Rechte der Landwirte kämpft.

Agraringenieurin der „Pontificia Universidad Católica de Chile“ (PUC), Master in Soziologie (PUC) und Master in Public Policy an der Duke University, Vereinigte Staaten).

María Emilia Undurraga arbeitete im Nationalen Institut für landwirtschaftliche Entwicklung (INDAP) als Nationale Leiterin für territoriale Programme und Vertreterin des Landwirtschaftsministeriums bei den Verhandlungen mit indigenen Völkern über das Rechtsinstrument, das die Konsultation indigener Völker in Chile regelt (2001-2014).

Seit 2018 war María Emilia Nationale Direktorin des Amtes für Agrarstudien und -politik (ODEPA) des Landwirtschaftsministeriums, wo sie eine wichtige Reform vorantrieb, indem sie die Abteilungen für ländliche Entwicklung und für Nachhaltigkeit und Klimawandel schuf, die Bedeutung des ländlichen Raums für das Land hervorhob und die Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor und der Zivilgesellschaft förderte. In dieser Zeit hat sie gemeinsam mit acht Organisationen, die in mehr als 200 ländlichen Gemeinden des Landes tätig sind, das Projekt „Santiago ist nicht Chile“ ins Leben gerufen und mehr als 14 öffentlich-private Arbeitsgruppen zu den wichtigsten Themen der verschiedenen Sektoren der chilenischen Land-, Forst- und Viehwirtschaft koordiniert.

Im Jahr 2020 erreichte Frau Undurraga die Verabschiedung der ersten nationalen Politik zur Entwicklung des ländlichen Raums, an der 12 Ministerien beteiligt sind, die sich unter anderem mit den Problemen der Landfrauen, der Bildung und der Anbindung der ländlichen Gebiete befassen.

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