Vom Himmel zur Erde: Land- und Bodenbewirtschaftungsmaßnahmen zur Erreichung der Emissionsfreiheit

 

 

Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)

Zeit: Dienstag, 25. Januar 2022, 17:00 – 18:00 Uhr, anschließender Deep Dive 18:00 – 18:30 Uhr

Sprachen: Englisch, Deutsch

Zusammenfassung:
Es wird in diesem Jahrhundert nicht möglich sein, Netto-Null-Kohlenstoffemissionen zu erreichen und den globalen Temperaturanstieg auf 2 °C zu begrenzen, ohne die terrestrischen Kohlenstoffsenken der Welt zu vergrößern. Hierfür werden auf politischer Ebene private und öffentliche Anstrengungen erforderlich sein, um diese Senken zu erhalten und durch die Bindung von Kohlenstoff in den Böden und Pflanzen auf Agrarland, in Wäldern und auf anderen Flächen der Welt zusätzliches CO2 aus der Atmosphäre abzubauen.

Die Regierungen sind zunehmend an politischen Konzepten für die Landnutzung und Bodenerhaltung interessiert, damit die Kohlenstoffspeicher vergrößert werden. Sie stehen jedoch vor der Herausforderung, Maßnahmenpakete schnüren zu müssen, die mit den umfassenderen Zielen der Lebensmittelsysteme, zu denen auch die Gewährleistung der Ernährungssicherheit gehört, in Einklang stehen.

In diesem Fachpodium wird das Potential mehrerer entscheidender Möglichkeiten, Flächen zu bewirtschaften, um Kohlenstoffbestände im Boden aufzubauen und zu erhalten, beleuchtet sowie erörtert werden, wie die Politik zur Verbreitung dieser Strategien beitragen kann, ohne andere öffentliche Ziele zu beeinträchtigen. Die geladenen Expertinnen und Experten werden insbesondere auf die folgenden Fragestellungen eingehen:

  • Welche nachhaltigen Strategien für die Landnutzung und Bodenbewirtschaftung könnten dazu beitragen, Kohlenstoff wirksam zu binden?
  • Wie können politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sicherstellen, dass diese Konzepte mit den umfassenderen Zielen der Lebensmittelsysteme vereinbar sind?
  • Gibt es einschlägige Bereiche mit einem hohen Potential, aber geringen Kosten, auf die Politikerinnen und Politiker ihr Augenmerk richten sollten?
  • Welche politischen Maßnahmen wären notwendig, um die aktuellen Landwirtschafts- und Lebensmittelerzeugungsmethoden so zu verändern, dass sie einen besseren Beitrag zur Kohlenstoffbindung leisten?
Bitte beachten Sie, dass die folgenden Lebensläufe zum Teil nur in Englisch vorliegen.

Moderator

Lini Wollenberg ist in den Bereichen Klimawandel und Landwirtschaft für die Alliance of Biodiversity, das International Center for Tropical Agriculture (CIAT) sowie das Gund Institute for Environment an der University of Vermont, tätig.  Von 2009 bis 2021 leitete sie den Forschungsbereich „Schadstoffarme Entwicklung“ im Rahmen des CCAFS, das CGIAR-Forschungsprogramm zu Klimawandel, Landwirtschaft und Ernährungssicherheit. Davor arbeitete Lini beim Internationalen Forstforschungszentrum CIFOR mit Sitz in Indonesien und bei der Ford Foundation. Sie promovierte zum Thema Umgang mit natürlichen Ressourcen an der University of California in Berkeley in den USA.  Lini ist Expertin in den Themen Klimaschutz, Landnutzung und soziale Inklusion.  Sie hat vorrangig in Asien gearbeitet, insbesondere im indonesischen Teil Borneos.

Podiumsgäste

Hans Joosten (Jahrgang 1955) ist Professor für Moorkunde und Paläoökologie an der Universität Greifswald, Partner des Greifswald Moor Centrums, sowie Generalsekretär der International Mire Conservation Group (IMCG), der Weltorganisation der Naturschützer von Moorböden.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Paludikultur, über die er 2016 ein Handbuch veröffentlichte, sowie die Wiederherstellung von Moorböden, über die er 2016 für die Cambridge University Press eine Übersicht herausgab und im Jahr 2021 globale Leitlinien für die Ramsar-Konvention erstellte. Für die IMCG veröffentlichte er die Bücher „Wise use of mires and peatlands“ (2002) und „Mires and peatlands of Europe“ (2017).

Seit 2009 ist Hans intensiv an Verhandlungen über das Klimarahmenabkommen und der Entwicklung von Leitlinien für den Weltklimarat beteiligt gewesen, insbesondere im Hinblick auf die Anrechnung von Emissionen aus organischen Böden, und hat sich bei der FAO für die Förderung einer klimaverträglichen Moorbewirtschaftung eingesetzt. Seit 2017 ist er Mitglied im Lenkungsausschuss der Global Peatlands Initiative der Vereinten Nationen.

Claire Chenu is research director at INRAE (French National Research Institute for Agriculture, Food and Environment) and consulting professor of soil science at AgroParisTech.
She is a member of the research unit ECOSYS at Grignon in Paris area. Her research deals with soil organic matter, which has a prominent role in ecosystem services provided by soils. She addresses the roles of soil organic matter in soil physical properties and investigates carbon dynamics and sequestration in agricultural soils. She was the 2019 Soil Science medallist of the European Geosciences Union and the recipient of the 2019 INRA Research Lifetime Achievement Award.
She is very involved in the science-policy-practice interface and in awareness raising activities on soils. She has been nominated Special Ambassador for 2015 the international year of soils by the FAO. She is member of several international committees, including being a member of the Scientific and Technical Committee of the 4 per 1000 initiative. She coordinates the EU H2020 European Joint Programme SOIL that associates 24 European countries: “Towards climate-smart sustainable management of agricultural soils”.

Keith Fuglie ist ein leitender Volkswirt beim Economic Research Service, der Dienststelle für Wirtschaftsforschung im US-amerikanischen Landwirtschaftsministerium. In dieser Funktion forscht er zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von technologischem Wandel und Wissenschaftspolitik auf die Landwirtschaft. Im Rahmen seiner Tätigkeit für die Regierung gehörte er von 2019-20 dem Bureau for Resilience and Food Security (Zentralstelle für Resilienz und Ernährungssicherheit) der US-Behörde für internationale Entwicklung und von 1997-98 dem Council of Economic Advisors (Beratungsorgan zu Wirtschaftsfragen) des Weißen Hauses als leitender angestellter Ökonom an. Er war Erstautor des Weltbankberichts in 2019 mit dem Titel „Harvesting Prosperity: Technology and Productivity Growth in Agriculture“ sowie des Berichts in 2012 mit dem Titel „Productivity Growth in Agriculture: An International Perspective“. 2012 wurde Keith mit dem „Honor Award for Professional Service“ des US-Landwirtschaftsministeriums ausgezeichnet. 2014 wurde ihm der „Bruce Gardner Memorial Prize for Applied Policy Analysis“ von der Agricultural & Applied Economics Association verliehen. In seiner früheren Laufbahn arbeitete Keith zehn Jahre lang für das International Potato Center (CIP) in Indonesien und Tunesien. Dort leitete er das sozialwissenschaftliche Forschungsprogramm des CIP und war der Regionalvertreter der Organisation in Asien. Keith Fuglie hat seinen M.S. und Ph.D. in Agrarwissenschaften und angewandter Volkswirtschaftslehre an der University of Minnesota gemacht.

Jonathan Brooks kam 1999 zur OECD und ist dort Leiter des Referats für Landwirtschafts- und Ressourcenpolitik in der Abteilung „Handel und Landwirtschaft“, die die jährliche Überwachung und Bewertung der Landwirtschaft und die zweijährliche Überprüfung der Fischerei durchführt und untersucht, wie Regierungsstrategien die Produktivität, Nachhaltigkeit und Widerstandsfähigkeit des Agrarsektors verbessern können. Vor seiner Zeit bei der OECD ab 1999 hatte Jonathan einen Lehrauftrag an der University of Reading. Er hat an der University of California in Davis einen Ph.D. in Agrarökonomie gemacht, erhielt einen M.S. in Volkswirtschaftslehre von der Purdue University und einen B.Sc. in Volkswirtschaftslehre von der London School of Economics.

Seite empfehlen