Mikrobenvielfalt im Boden ist entscheidend für die Gesundheit der Pflanzen und des Planeten

Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (Leibniz-ATB)

Zeit: Donnerstag, 27. Januar 2022, 17:00 – 18:00 Uhr, anschließender Deep Dive 18:00 – 18:30 Uhr

Sprachen: Englisch, Deutsch

Zusammenfassung:
Pflanzen sind die Schlüsselkomponente einer gesunden Ernährung und liefern Nahrung für eine schnell wachsende Weltbevölkerung. Das Pflanzen- und das Bodenmikrobiom stehen in einer Wechselbeziehung zueinander und sind beide von maßgeblicher Bedeutung für die Gesundheit und Funktionsfähigkeit des Holobionts. Darüber hinaus sind sie wichtig für die Funktionen und die Gesundheit des planetaren Ökosystems. Viele derzeitige Pflanzenbaumethoden haben Auswirkungen auf die Umwelt und tragen zum Verlust der Biodiversität, der natürlichen Lebensgrundlagen und zum Klimawandel bei. In der Vergangenheit hat menschliches Handeln die enge Verknüpfung zwischen den Mikrobiomen maßgeblich beeinflusst. Diese Verlagerungen haben hohe Vor- und Nachernteverluste, arzneimittelresistente Pflanzen und humanpathogene Erreger sowie eine Verbreitung von Antibiotikaresistenzen zur Folge gehabt. Auf diese für das Anthropozän typische Schwächung des Mikrobioms folgt häufig eine Dysbiose, die zu Ausbrüchen von Viren, Schädlingen und Krankheitserregern führt. Diese Diskussionsrunde fasst das aktuelle Wissen über anthropogene Einflüsse auf das pflanzliche und vernetzte Mikrobiom zusammen. Das Hauptziel des Fachpodiums besteht darin, die Entwicklung von Lösungen anzustoßen, die die mikrobielle Vielfalt von Pflanzen und Böden wiederherstellen und erhalten – für das Ökosystem und die damit eng verbundene menschliche Gesundheit.

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Moderator

Alfred Grand ist ein Biolandwirt und Unternehmer aus Österreich. In seinem Unternehmen VERMIGRAND Naturprodukte erzeugen Regenwürmer Biohumus mit einem natürlichen und vielfältigen Mikrobiom sowie torffreie Bodensubstrate. 2018 wurde sein landwirtschaftlicher Betrieb zu einem Forschungs- und Demonstrationsbetrieb ausgebaut. GRAND FARM konzentriert sich auf Bodengesundheit, Agroforstwirtschaft und Erwerbsgartenbau und kooperiert mit einer Reihe von Forschungseinrichtungen auf nationaler und internationaler Ebene. Alfred Grand wirkt in mehreren Forschungsprojekten mit, er ist Mitglied des Global Network of Lighthouse Farms sowie Botschafter der Europäischen Innovationspartnerschaft für Landwirtschaft und der EU-Mission Soil Deal. Sein Erwerbsgartenbauprojekt GRAND GARTEN wurde für den Innovationspitch auf der GFFA 2022 in Berlin ausgewählt.

Podiumsgäste

Gabriele Berg studierte Biologie, Ökologie und Biotechnologie an den Universitäten Rostock und Greifswald und promovierte 1995 im Fachbereich Mikrobiologie an der Universität Rostock. 2005 wurde sie als ordentliche Professorin für Umweltbiotechnologie an die Technische Universität Graz berufen. 2021 wurde sie Abteilungsleiterin am ATB. Zudem wurde sie mit einer zusätzlichen Professur in Potsdam betraut. Zu ihren Forschungsinteressen zählen die Mikrobiomforschung und Umsetzung der Ergebnisse in neue Biotechnologie- und Mikrobiom-Managementkonzepte für Gesundheitsfragen. Von 2018-2020 wurde sie auf der Clarivate-Liste der einflussreichsten Forscher weltweit aufgeführt.

Lise Korsten ist Professorin für Lebensmittelsicherheitssysteme mit Schwerpunkt auf Frischware an der Universität von Pretoria (UP). Darüber hinaus ist sie Kodirektorin des Centre of Excellence Food Security, einer von der University of Western Cape und der UP betriebenen nationalen Plattform. Ihre Forschungsschwerpunkte sind nachhaltige Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und Innovationen im Nacherntebereich, um Lebensmittelabfälle und – verluste zu reduzieren. Sie hat sich mit der Bekämpfung von Nacherntekrankheiten bei subtropischen Früchten befasst und arbeitete als technische Sachverständige für die Weltgesundheitsorganisation, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, das South African National Accreditation System und andere Plattformen. Sie hat ca. 200 fachlektorierte Publikationen veröffentlicht und ist Redakteurin von führenden internationalen Fachzeitschriften wie Food Security, CABI etc. Lise Korsten ist Mitglied der afrikanischen Akademie der Wissenschaften und hat Preise und Auszeichnungen verliehen bekommen.

Kornelia Smalla ist stellvertretende Leiterin des Julius Kühn-Instituts und Leiterin des JKI-Instituts für Epidemiologie und Pathogendiagnostik. Smalla forscht seit 1991 auf dem Gebiet der mikrobiellen Ökologie. Zu ihren Forschungs­schwerpunkten gehören unter anderem die Wechselwirkungen von Pathogenen und ihren mikrobiellen Antagonisten im Wurzelraum der Pflanzen, aber auch die Vielfalt dieser Mikrobengemeinschaften und deren sog. Resistome Signatures und Plasmiden in den Böden. Smalla studierte Chemie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und promovierte im Fachbereich Biochemie. Sie habilitierte sich im Fachbereich Mikrobiologie. Smalla ist derzeit in der Clarivate-Liste der am häufigsten zitierten Forscher aufgeführt.

Marcel van der Heijden ist Professor für Agrarökologie und Pflanzen-Mikrobiom-Interaktionen an der Universität Zürich, Professor für Mykorrhiza-Ökologie an der Universität Utrecht und leitet eine Forschungsgruppe an der Forschungsanstalt Agroscope in der Schweiz. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und Böden, die biologische Vielfalt im Boden, ökologische Bodenbewirtschaftung sowie die Entwicklung und Bewertung nachhaltiger Landbausysteme, einschließlich ökologischer und konservierender Landwirtschaft. Er ist Präsident der internationalen Mykorrhiza-Gesellschaft, einer der meistzitierten Forscher der Clarivate-Liste und hat über 150 Publikationen veröffentlicht.

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