Globale Sichtweisen auf nachhaltige Bodenbewirtschaftung für Ernährungssicherheit

 

International Union of Soil Sciences (IUSS)

Zeit: Montag, 24. Januar 2022, 17:00 – 18:00 Uhr, anschließender Deep Dive 18:00 – 18:30 Uhr

Sprachen: Englisch, Deutsch

Zusammenfassung:
– Druck auf die verfügbaren Flächen für die Nahrungsmittelerzeugung verursachen hohen Druck auf Ackerböden. Wir müssen die Böden besser vor veränderten Niederschlags- und Abflussbedingungen schützen, um Flächen für die Produktion von Nahrungsmitteln zu sichern und die Verschmutzung von Oberflächentrinkwasser zu minimieren.

– Eine klare Planung der Bodenbewirtschaftung und erneuten Nutzung ist entscheidend, um den möglichen Wert der Böden zu erhalten. Hierfür sind Kenntnisse über die Böden und fachliche Beratung zu Bodenbearbeitungsstrategien notwendig, sowie ein breiteres Verständnis darüber, wie neue Entwicklungen so gestaltet werden können, dass sie das Meiste aus den entsprechenden Böden herausholen und die Bodengesundheit maximal erhalten, und wie sie genutzt werden können, um die Gemeinschaft zu unterstützen – von Grünflächen für die Anpassung an den Klimawandel bis hin zu lokaler Lebensmittelerzeugung.

– Im städtisch geprägten Umfeld werden Mengen von Abfall und Abwasser erzeugt, die wertschöpfend genutzt werden können, um die landwirtschaftliche Produktivität zu erhöhen und Böden in Gärten, auf begrünten Dächern und Grünanlagen anzulegen. Durch die Wiederverwendung von aufbereitetem Abwasser in der stadtnahen Landwirtschaft kann qualitativ hochwertiges Wasser für die menschliche Ernährung verwendet werden. Es ist unerlässlich geworden, die Bodenfunktionen in Städten zu erkennen und zu erhalten, um Nachhaltigkeit zu erreichen.

– Basierend auf dem Konzept der regenerationsfähigen Landwirtschaft und Agrarökologie muss die Grüne Revolution des 21. Jahrhunderts auf Böden fokussiert, ökosystembasiert, und auf die Erzeugung von mehr mit weniger ausgerichtet sein. Die landwirtschaftlichen Methoden müssen nährstoffsensibel sein und der Natur einige Flächen und Wasser zurückführen. Es ist außerdem wichtig, Kohlenstoff als Agrargut im Boden zu speichern, das eine zusätzliche Einkommensquelle für Landbewirtschafterinnen und -bewirtschafter darstellt.

Moderator

Edoardo Costantini ist Agrarwissenschaftler mit Schwerpunkt Bodenkunde. Er forscht seit über 40 Jahren zur Genese, Klassifizierung, Kartierung und Erhaltung von Böden und leitet nationale und internationale Projekte zu den Themen nachhaltige Bodenbewirtschaftung, Bodensanierung und
-erhaltung, digitale Bodenkartierung und Geodatenbanken sowie Eignung von Flächen für den Anbau von Wein und anderen hochwertigen Nutzpflanzen. Aktuell ist er als Senior Researcher in der Abteilung Biologie, Landwirtschaft und Ernährungswissenschaften des Instituts für Bioökonomie (Istituto per la BioEconomia, CNR-IBE) in Italien tätig. Er war Forschungsdirektor im CREA-Forschungszentrum für Landwirtschaft und Umwelt, Geschäftsführender Leiter des Forschungszentrums für Agrobiologie und Bodenkunde in Florenz sowie Professur für Bodenkunde an der Universität Siena in Italien. Er ist designierter Präsident der Internationalen Vereinigung der Bodenwissenschaften (International Union of Soil Sciences). Im Jahr 2017 erhielt er den Norman Hudson Memorial Award der World Association of Soil and Water Conservation (WASWAC) und 2019 den Gerold Richter Award der European Society for Soil Conservation (ESSC).

Podiumsgäste

Lillian Øygarden ist Forscherin in der Abteilung „Boden- und Landnutzung“ am norwegischen Institut für Bioökonomieforschung (NIBIO). Sie hat in Bodenphysik promoviert und verfügt über Erfahrungen aus Überwachungs- und Forschungsprojekten im Hinblick auf landwirtschaftliche Anbaupraktiken und Umweltauswirkungen, saisonale Abflüsse und Erosion in Wassereinzugsgebieten sowie Boden- und Wasserschutz. Zurzeit koordiniert sie am NIBIO Arbeiten zum Klimawandel und dessen Auswirkungen auf die Agrarproduktion, zu Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel und zur Verringerung der Treibhausgasemissionen. Diese Arbeiten befassen sich mit Möglichkeiten zur Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion durch verbesserte Anbauverfahren und eine stärkere Berücksichtigung von Bodenkunde und Pflanzenforschung. Sie ist Vorsitzende der Kommission „Boden- und Wasserschutz“ am IUSS.

Bruce Lascelles ist Direktor für nachhaltige Landbewirtschaftung beim Unternehmen Arcadis und Präsident der British Society of Soil Science. Er hat einen Hochschulabschluss und Doktortitel in Bodenkunde und untersuchte eine Zeit lang verschiedene Aspekte von Böden (insbesondere Bodenerosion), gefolgt von einer Tätigkeit als Berater. Seine Beratungstätigkeit konzentrierte sich auf Aspekte der Wechselbeziehungen zwischen der physischen Umwelt und Pflanzen- und Tiergemeinschaften (u.a. der Entwicklung von Methoden zur Schaffung und Wiederherstellung von Lebensräumen), Auswirkungen von Landnutzungsänderungen auf Böden und Hydrologie sowie auf die Vermessung und Kartierung von Boden- und Landnutzungstypen im gesamten Vereinigten Königreich.

Christina Siebe ist leitende Wissenschaftlerin in der Abteilung für Boden- und Umweltwissenschaften am Institut für Geologie der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM). Sie promovierte 1994 an der Universität Hohenheim, Deutschland. Siebe untersucht Prozesse der Bodendegradierung im städtischem und stadtnahen Umfeld mit besonderem Augenmerk auf Abfallbewirtschaftungsstrategien, die den Wasser- und Nährstoffkreislauf fördern. Sie leitet eine Beobachtungsstelle für kritische Zonen im Mezquital-Tal, wo seit mehr als einem Jahrhundert Abwasser für die Landwirtschaft wiederverwendet wird. Zurzeit koordiniert sie das Graduiertenprogramm für Geowissenschaften an der UNAM, arbeitet als Redakteurin für die Zeitschrift Catena und vertritt die deutsche Wissenschaftsstiftung in Mexiko.

Rattan Lal, Ph.D., ist ein renommierter Universitätsprofessor und Direktor des Rattan-Lal-Zentrums für Kohlenstoffmanagement und -bindung am College für Ernährungs-, Agrar- und Umweltwissenschaften der Ohio State University. Außerdem war er als Bodenphysiker am International Institute of Tropical Agriculture in Ibadan, Nigeria, tätig. Er forscht zu den Themen Kohlenstoffbindung in Böden, Bodengesundheit, bodenschonende Landwirtschaft, Bodensanierung und nachhaltige Bewirtschaftung. Er ist Autor von über 1000 wissenschaftlichen Artikeln und 500 Buchkapiteln und hat 100 Bücher geschrieben bzw. herausgegeben. Von 2006 bis 2008 war er Präsident der Soil Science Society of America und von 2017 bis 2018 der Internationalen Vereinigung der Bodenwissenschaften (International Union of Soil Sciences). Er hat beim Inter-American Institute for Cooperation on Agriculture (IICA), Costa Rica, einen Lehrstuhl für Bodenwissenschaften inne und ist Goodwill-Botschafter für Nachhaltigkeit. Er war Mitglied des Wissenschaftsausschusses des UNFSS 2021 und des Action Track 3 des UNFSS zum Thema „Coalition of Action 4 Soil Health“. Er ist Preisträger des World Soil Prize 2018, des Japan-Preises 2019 und des Welternährungspreises 2020.

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